Präsenz-Fortbildung: Inobhutnahme zwischen Schutzauftrag und Schutzerleben

Professionelle Praxis und ihre Spannungsfelder  

11. Juni 2027
10:00 – 18:00 Uhr

Wie lässt sich Schutz gewährleisten, wenn junge Menschen die Inobhutnahme nicht als hilfreich erleben? Wie kann Beteiligung gelingen, wenn rasch gehandelt und entschieden werden muss? Und was bedeutet professionelle Beziehungsgestaltung unter Bedingungen, die für junge Menschen und Eltern mit tiefgreifenden Einschnitten, Unsicherheit und Fremdbestimmung verbunden sein können?

Solche Fragen gehören zum Kern der Inobhutnahme. Denn sie ist weit mehr als die Abwendung einer akuten Gefährdung: Sie ist zugleich eine Krisenintervention, die jungen Menschen Schutz, Sicherheit und Orientierung bieten soll. Dabei treffen fachliche Anforderungen aufeinander, die sich nicht immer widerspruchsfrei miteinander vereinbaren lassen.

Diese Spannungsfelder zeigen sich nicht nur bei weitreichenden Entscheidungen. Sie prägen ebenso den Alltag der Inobhutnahme: die Art, wie Fachkräfte jungen Menschen und Eltern begegnen, wie Informationen weitergegeben werden, wie Beziehungen gestaltet werden und wie Schutz, Fürsorge und Beteiligung konkret erfahrbar werden.

Die Fortbildung nimmt diese professionelle Praxis aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick. Ausgangspunkt sind Ergebnisse eines Praxisforschungsprojekts zu den Erfahrungen junger Menschen und Eltern mit Inobhutnahme. Zentrale Forschungsergebnisse und daraus abgeleitete fachliche Erkenntnisse werden vorgestellt und mit Interviewausschnitten anschaulich gemacht. Sie eröffnen neue Perspektiven auf vertraute Abläufe und Selbstverständlichkeiten und geben Anlass, die professionelle Praxis auch kritisch zu hinterfragen. Im gemeinsamen Austausch werden die Erkenntnisse mit Praxiserfahrungen in Beziehung gesetzt, fachliche Spannungsfelder vertieft und Anforderungen an eine professionelle Gestaltung der Inobhutnahme diskutiert.

Dabei geht es nicht um einfache Handlungsrezepte. Vielmehr bietet die Fortbildung Gelegenheit, vertraute Abläufe und Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, unterschiedliche fachliche Sichtweisen miteinander ins Gespräch zu bringen und Impulse für die Reflexion und Gestaltung der eigenen Praxis mitzunehmen. Berücksichtigt werden dabei auch die organisationalen und institutionellen Bedingungen, unter denen Fachkräfte handeln.

Im Mittelpunkt stehen insbesondere: 

  • Inobhutnahme aus der Perspektive junger Menschen und Eltern
  • Schutz, Beteiligung, Selbstbestimmung und Beziehungsgestaltung als miteinander verflochtene professionelle Anforderungen
  • Die Bedeutung alltäglicher Interaktionen, Abläufe und Rahmenbedingungen für das Erleben von Inobhutnahme
  • Professionelle Gestaltungsmöglichkeiten und die Verantwortung unterschiedlicher Akteur*innen und Ebenen

Die Fortbildung verbindet wissenschaftlich fundierte Impulse mit der gemeinsamen Arbeit an empirischem Material, fachlichem Austausch und der Reflexion von Praxiserfahrungen. Die bewusst kleine Gruppe mit maximal zwölf Teilnehmenden bietet Raum, unterschiedliche Perspektiven zu vertiefen und Fragen aus dem eigenen Arbeitsfeld einzubringen.

Zielgruppe: Fachkräfte aus Jugendämtern, Inobhutnahmestellen und angrenzenden Arbeitsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe, die an Inobhutnahmeprozessen beteiligt sind oder mit deren Folgen arbeiten.

Termin:   Freitag, 11. Juni 2027
  10:00 – 18:00 Uhr
Ort:   Perspektive Institut, Kessenicher Str. 219-221, 53129 Bonn
Leitung:   Corinna Petri (Perspektive gGmbH)
Teilnehmendenzahl:   max. 12 Personen
Kosten:   164 €
  Für Getränke und Snacks ist gesorgt. Das Mittagessen organisieren die Teilnehmenden selbst und auf eigene Kosten (z. B. per Lieferdienst oder Abholung). Ein Kühlschrank und eine Mikrowelle stehen zur Selbstverpflegung zur Verfügung.
Übernachtung:   Im Umkreis weniger Kilometer finden Sie verschiedene Hotels und Hostels.

Hinweis: Eine thematisch passende Ergänzung bietet unsere digitale Fortbildung „Zwischen Hilfe und Eingriff – Der Weg in die Inobhutnahme“ am 15.Mai 2027. Sie nimmt insbesondere die Erfahrungen junger Menschen beim Zugang zur Inobhutnahme und die fachliche Gestaltung dieser sensiblen Phase in den Blick. Beide Veranstaltungen sind inhaltlich aufeinander bezogen, können aber unabhängig voneinander besucht werden.