Austauschformat am 1. Oktober 2026 in Essen

Mein Leben – Deine Praxis 

Junge Menschen und Fachkräfte im Austausch 

In der Pflegekinderhilfe geht es um Konzepte, Zuständigkeiten und Entscheidungen – vor allem aber geht es um Beziehungen.
Darum, ob junge Menschen sich gesehen fühlen, ob Vertrauen aufgebaut werden kann, ob junge Menschen sich trauen, ihre Sicht, ihre Fragen und auch ihre Kritik einzubringen. Beziehung ist auch Voraussetzung dafür, dass junge Menschen ihre Rechte wahrnehmen können. Nur wenn Beziehung und Vertrauen vorhanden sind, besteht die Möglichkeit, sich an Fachkräfte zu wenden, auf Unrecht aufmerksam zu machen und Unterstützung zu suchen. 

Die Qualität der Pflegekinderhilfe entscheidet sich in der gelebten Beziehung zwischen jungen Menschen, Pflegeeltern, leiblichen Eltern und Fachkräften – und in der Möglichkeit aller Beteiligten, diese Beziehungen mitzugestalten. 

Der gemeinsame Tag zum Thema „Mein Leben – Deine Praxis. Junge Menschen und Fachkräfte im Austausch“ im Rahmen der Qualitätsoffensive Pflegekinderhilfe NRW bringt junge Menschen, die in Pflegeverhältnissen aufwachsen oder aufgewachsen sind, und Fachkräfte der Pflegekinderhilfe miteinander ins Gespräch. Im Mittelpunkt steht die Beziehungsqualität als zentrales Merkmal einer beteiligungsorientierten, schützenden und wirksamen Pflegekinderhilfe. 

Worum geht es?

Aus unterschiedlichen Perspektiven wird gemeinsam erkundet:

  • Was macht eine gute Beziehung in der Pflegekinderhilfe aus?
  • Wie erleben junge Menschen Nähe, Distanz, Vertrauen und Unterstützung?
  • Was bedeutet professionelle Nähe – und was brauchen junge Menschen im Laufe ihres Aufwachsens und Fachkräfte jeweils?
  • Wie beeinflussen Machtverhältnisse und Adultismus Beziehungen?
  • Und wie kann Beziehung dazu beitragen, dass Beteiligung, Schutz und Rechte wirklich umgesetzt werden?


Austausch auf Augenhöhe

Ein zentrales Anliegen dieses Tages ist es, junge Menschen und Fachkräfte auf Augenhöhe zusammenzubringen.
Die Erfahrungen junger Menschen aus ihrem Leben in Pflegeverhältnissen und das professionelle Wissen von Fachkräften werden als gleichwertige Perspektiven verstanden.

Junge Menschen sind Expert*innen ihrer eigenen Lebensrealitäten.
Fachkräfte bringen ihre Praxis, ihre Fragen und ihre professionellen Herausforderungen ein. Ziel ist ein gegenseitiges Zuhören, Verstehen und Lernen.


Wie läuft die Veranstaltung ab?

Zu Beginn gibt es eine ein moderiertes Gespräch, in dem verschiedene Perspektiven auf das Thema (professionelle) Nähe, Beziehungsgestaltung und Qualität in der Pflegekinderhilfe sichtbar werden.

Im Anschluss folgt eine ausführliche Workshopphase, die das Herzstück des Tages bildet. Es werden unterschiedliche kreativen Workshops angeboten, in denen junge Menschen und Fachkräfte sich mit einem selbst gewählten Thema beschäftigen.

Der Austausch erfolgt über unterschiedliche Formen der Verständigung: kreativ, auf Augenhöhe und erfahrungsbezogen. So soll Verständnis entstehen – auch, oder gerade dort, wo Erfahrungen unterschiedlich oder widersprüchlich sind.

Workshopangebote sind bspw.:

  • Malerei
  • Schreibwerkstatt
  • Poetry Slam
  • Podcast
  • Theater
  • Tanz

Am Ende der Workshopphase gibt es die Möglichkeit, Ergebnisse zu präsentieren.


Warum lohnt es sich teilzunehmen?

  • Junge Menschen können ihre Perspektiven einbringen und sichtbar machen, was sie brauchen.
  • Fachkräfte erhalten andere Einblicke in die Lebensrealitäten junger Menschen.
  • Beide Seiten können voneinander lernen und neue Sichtweisen entwickeln.
  • Gemeinsam entstehen Impulse für eine beziehungsorientierte, beteiligungsorientierte Pflegekinderhilfe.


Eingeladen sind

  • Junge Menschen (ab 12 Jahren), die in Pflegeverhältnissen aufwachsen oder aufgewachsen sind
  • Fachkräfte der Pflegekinderhilfe in NRW (z. B. aus Jugendämtern, freien Trägern, Beratung)
Termin:   Donnerstag, 1. Oktober 2026
  10:00 –  ca. 18:00 Uhr
Ort:   Unperfekthaus, Friedrich-Ebertstr. 18-20, 45127 Essen
Kurzinfo zum Unperfekthaus
Leitung:   LVR & Perspektive gGmbH 
Teilnehmendenzahl:   max. 80 Personen
Kosten:   kostenfrei im Rahmen der Qualitätsoffensive Pflegekinderhilfe NRW
Verpflegung:   Für Getränke und Essen ist gesorgt. 

Logo für die Qualitaetsoffensive Pflegekinderhilfe NRW

Anmeldung für das Austauschformat am 1.10.2026 in Essen

(Formular folgt)

Teilnahme – Infos für junge Menschen


Wie kann ich teilnehmen?

Wenn du möchtest, kannst du gemeinsam mit einer Fachkraft, die du kennst, an dem Fachtag teilnehmen. Ihr meldet euch zusammen an. Wichtig ist: Du entscheidest selbst, ob du dabei sein willst oder nicht.

Ist die Teilnahme freiwillig?

Ja. Auf jeden Fall.
Niemand darf dich überreden. Ein Nein ist okay – und ein Ja darfst du auch jederzeit wieder zurückziehen.

Wie erfahre ich, worum es geht?

Die Fachkraft, die dich anspricht, muss dir erklären:

  • worum es bei dem Fachtag geht,
  • was dort passiert,
  • wer noch dabei ist
  • und was von dir erwartet wird – und was nicht.

Wenn dir etwas unklar ist, darfst du jederzeit nachfragen.

Muss ich etwas erzählen oder machen?

Nein. Du musst nichts erzählen, was du nicht erzählen möchtest.
Du kannst zuhören, mitmachen, kreativ sein oder einfach beobachten. Alles ist freiwillig.

Was ist, wenn ich mich umentscheide?

Das ist völlig in Ordnung.
Du kannst vor oder während des Fachtags sagen, dass du nicht (mehr) teilnehmen möchtest. Deine Entscheidung wird respektiert.

Was wird von mir erwartet?

Eigentlich nur eines:
Dass du so da bist, wie es für dich passt. Mehr nicht.

Gibt es Unterstützung vor Ort?

Ja. Es gibt Ansprechpersonen, an die du dich wenden kannst, wenn du Fragen hast oder dir etwas unangenehm ist. Du bist nicht allein.

FAQ für junge Menschen

Was ist „Mein Leben – Deine Praxis“?

An dem Tag geht es darum, junge Menschen und Fachkräfte aus der Pflegekinderhilfe zusammenzubringen. Es geht um Beziehungen, Vertrauen, Nähe, Mitbestimmung und darum, was im Kontakt mit Fachkräften oder in deiner Pflegefamilie gut läuft und was vielleicht auch nicht.

Warum gibt es dieses Angebot?

Weil junge Menschen oft sagen, dass ihre Erfahrungen zu wenig gehört werden.
Und weil gute Pflegekinderhilfe nur dann funktioniert, wenn Beziehungen ernst genommen werden. Deine Sicht ist wichtig und kann helfen, Dinge zu verändern.

Wer kann teilnehmen?

Junge Menschen, die in Pflegeverhältnissen leben oder gelebt haben. Du musst nichts „Besonderes“ mitbringen – deine Erfahrungen reichen völlig aus.

Muss ich etwas erzählen?

Nein. Du musst nichts erzählen, was du nicht erzählen möchtest.
Du entscheidest selbst, wie viel du sagen willst – oder ob du lieber zuhörst, mitmachst oder etwas aufschreibst, malst oder dich anders ausdrückst.

Was passiert, wenn ich etwas Persönliches teile?

Der Austausch findet in einem geschützten Rahmen statt. Es geht um respektvolles Zuhören und darum, voneinander zu lernen. Niemand wird gedrängt oder bewertet.

Muss ich über schwere oder belastende Dinge sprechen?

Nein. Du bestimmst selbst, worüber du sprechen möchtest. Es geht nicht darum, deine ganze Geschichte zu erzählen oder Dinge zu wiederholen, die sich nicht gut anfühlen.

Sind Fachkräfte dabei – und wie gehen sie mit dem um, was ich sage?

Ja, Fachkräfte sind dabei. Sie nehmen teil, um zuzuhören, zu lernen und ihre Arbeit zu reflektieren. Der Tag ist so gestaltet, dass junge Menschen und Fachkräfte auf Augenhöhe miteinander sprechen können.

Was machen wir in den Workshops?

Es gibt verschiedene kreative und abwechslungsreiche Workshops. Es wird also nicht nur geredet, sondern auch andere Wege genutzt, um sich auszudrücken. Mit welchem Thema sich beschäftigt wird, entscheidet die Gruppe selbst.

Muss ich die richtigen Worte finden?

Nein. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. Es geht darum, wie du Dinge erlebst und das darf niemand als richtig oder falsch bewerten.

Kann ich auch einfach erstmal zuhören?

Ja, auf jeden Fall. Zuhören ist genauso okay wie Mitreden. Du kannst dich jederzeit einbringen oder auch erstmal nur zuhören und beobachten. Es besteht auch die Möglichkeit, dass du dich zurückziehst, wenn du eine Pause brauchst.

Was habe ich davon?

  • Deine Stimme wird gehört.
  • Du kannst sagen, was dir wichtig ist.
  • Du triffst andere junge Menschen mit ähnlichen Erfahrungen.
  • Du kannst mithelfen, dass Pflegekinderhilfe besser wird.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Fragen habe oder unsicher bin?

Vor und während der Veranstaltung gibt es Ansprechpersonen, an die du dich jederzeit wenden kannst, wenn du Fragen hast oder dir etwas unklar ist.

Informationen zur Anmeldung – Für Fachkräfte


Wie läuft die Anmeldung ab?

Die Anmeldung erfolgt paarweise:
Eine Fachkraft nimmt gemeinsam mit einem jungen Menschen am Fachtag teil.

Ziel ist es, dass beide bereits vorab miteinander ins Gespräch kommen und sich bewusst für die gemeinsame Teilnahme entscheiden. Darüber hinaus wird dadurch angestrebt, dass eine möglichst gleichmäßige Verteilung von jungen Menschen und Fachkräften bei der Veranstaltung erreicht wird. So können beide Gruppen gleichberechtigt voneinander profitieren und die Vielfalt der Perspektiven optimal genutzt werden.

Ist die Teilnahme für junge Menschen freiwillig? 

Ja. Die Teilnahme ist vollständig freiwillig und erfolgt auf Grundlage einer selbstbestimmten Entscheidung. Ein Nein ist jederzeit möglich – auch nach einer ersten Zusage.

Wie werden junge Menschen über den Fachtag informiert? 

Fachkräfte verpflichten sich, junge Menschen verständlich, ehrlich und transparent über den Fachtag zu informieren:

  • Worum geht es?
  • Was passiert dort?
  • Wer nimmt teil?
  • Was wird erwartet – und was nicht?

Junge Menschen sollen eine informierte Entscheidung treffen können. Als Informationsmaterial kann der Flyer, die Informationen zur Anmeldung für junge Menschen und die FAQ für junge Menschen genutzt werden.
Was bedeutet das für Fachkräfte konkret? 

Mit der Anmeldung erklären Fachkräfte verbindlich:

  • Ich nehme die Herausforderung an, einen jungen Menschen für eine gemeinsame Teilnahme an dem Fachtag zu motivieren.
  • Ich achte die Freiwilligkeit der Teilnahme.
  • Ich wahre die Rechte junger Menschen auf Information, Mitbestimmung und Selbstbestimmung.
  • Ich stelle alle relevanten Informationen zur Verfügung, damit eine informierte Entscheidung möglich ist.
  • Ich akzeptiere ein Nein – auch dann, wenn ich selbst gern teilnehmen möchte.

Im Anmeldeformular wird dies durch entsprechende Bestätigung („Häkchen setzen“) sichtbar gemacht.

Alle Teilnehmenden – junge Menschen wie Fachkräfte – erklären mit der Anmeldung ihre Bereitschaft, 

  • sich auf einen respektvollen Austausch auf Augenhöhe einzulassen,
  • unterschiedliche Perspektiven auszuhalten,
  • persönliche Grenzen zu respektieren,
  • und den vereinbarten Rahmen des Fachtags mitzutragen.

FAQ für Fachkräfte

Worum geht es bei „Mein Leben – Deine Praxis“?

„Mein Leben – Deine Praxis“ ist ein dialogisches Austauschformat für junge Menschen und Fachkräfte der Pflegekinderhilfe. Im Mittelpunkt steht die Beziehungsqualität als zentrales Merkmal einer beteiligungsorientierten, schützenden und wirksamen Pflegekinderhilfe.


Warum steht Beziehung im Mittelpunkt?

Beziehung ist Voraussetzung für Beteiligung, Schutz und Rechtewahrnehmung. Wenn junge Menschen Vertrauen zu Fachkräften haben, erhöht das die Möglichkeit, dass sie sich bei Problemen, Beschwerden oder Unsicherheiten an sie wenden. Beziehung ist damit kein zusätzlicher Aspekt, sondern grundlegend für fachliches Handeln.

Welche Rolle haben Fachkräfte in diesem Format?

Fachkräfte nehmen nicht die Rolle von Expert*innen ein. Sie bringen ihre Praxisperspektive, Fragen und Erfahrungen ein und kommen mit jungen Menschen auf Augenhöhe in den Austausch. Zuhören, Nachfragen und gemeinsame Reflexion stehen im Vordergrund.

Müssen Fachkräfte ihre eigene Praxis offenlegen oder sich rechtfertigen?

Nein. Das Format ist kein Bewertungs- oder Kontrollraum. Es geht nicht um individuelle Fälle oder Leistungsbeurteilungen, sondern um gemeinsame Verständigung, Lernen und Weiterentwicklung.

Wie wird mit Machtunterschieden und Adultismus umgegangen?

Machtasymmetrien zwischen jungen Menschen und Fachkräften werden bewusst thematisiert. Das Format ist so gestaltet, dass junge Menschen ihre Perspektiven selbstbestimmt einbringen können und Fachkräfte eingeladen sind, die eigene Rolle reflektierend zu betrachten.

Wie läuft der Tag ab?

Zu Beginn gibt es eine kurze Podiumsdiskussion bzw. ein moderiertes Gespräch zu Beziehung, Nähe und Qualität in der Pflegekinderhilfe. Anschließend folgt eine längere Workshopphase mit kreativen und dialogischen Formaten, in denen junge Menschen und Fachkräfte gemeinsam arbeiten und diskutieren. Mit welchem Thema sich beschäftigt wird, entscheidet die Gruppe selbst.

 

Was ist mit Vertraulichkeit?

Der Austausch findet in einem geschützten Rahmen statt. Es werden keine personenbezogenen Daten oder konkrete Fälle dokumentiert oder weitergegeben.

 

Was können Fachkräfte konkret aus der Teilnahme mitnehmen?

Fachkräfte gewinnen:

  • direkte Einblicke in die Perspektiven und Erfahrungen junger Menschen,
  • Impulse zur Reflexion des eigenen professionellen Handelns,
  • Anregungen zur Gestaltung tragfähiger Beziehungen,
  • neue Sichtweisen auf Beteiligung, Schutz und Nähe,
  • Austausch mit anderen Fachkräften außerhalb des eigenen Arbeitskontexts.

 

Was wird von den teilnehmenden Fachkräften erwartet?

  • Erwartet wird die Bereitschaft,
  • jungen Menschen zuzuhören,
  • die eigene Praxis reflektierend zu betrachten,
  • sich auf einen offenen, respektvollen Austausch einzulassen,
  • unterschiedliche Perspektiven auszuhalten.


An wen richtet sich das Angebot?

Das Format richtet sich an Fachkräfte der Pflegekinderhilfe in NRW und junge Menschen (ab 12 Jahren), die in einer Pflegefamilie leben oder gelebt haben.


gefördert vom

Logo für das Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration


im Auftrag von

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